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ÜSTENBERG

Kanzlei für Wirtschafts- und Natur-Recht




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Honorar

   

 
 
Vereinbarung
 
Das Honorar wird vereinbart. Es ist seit Jahren schon nicht mehr gesetzlich vorgegeben.
 
Das Honorar für eine Beratung (statt für eine Vertretung) liegt in der Regel bei einigen hundert Euro. Entweder werden ein Fixbetrag in Höhe von z.B. 300,- EUR zzgl. gesetzlicher USt./MwSt. (= 357,- EUR inkl. 19 % USt) oder ein Stundensatz vereinbart. Einen Anhaltspunkt zur Orientierung über die Höhe des Entgelts gibt die RVG-Tabelle mit der einfachen "Wertgebühr" (= zweite Spalte), multipliziert mit dem Faktor 0,5 bis 2,5, zumeist mit 1,3.
 
   Exkurs: Für den seltenen Fall, dass keine Vereinbarung getroffen wird, so bestimmt es das Gesetz, gelten die allgemeinen Vorschriften des BGB (§ 34 Absatz 1 Satz 2 RVG). In diesem Fall betragen das Honorar für ein "erstes Beratungsgespräch" gegenüber Privatpersonen "höchstens 190,- Euro" zzgl. gesetzlicher MwSt/USt (19 % MwSt), also EUR 226,10 inkl. USt) und das Honorar für eine vollständige Beratung "höchstens 250,- Euro" zzgl. gesetzliche MwSt/USt (19 %) gleich EUR 297,50 inkl. USt); § 34 Absatz 1 Satz 3 RVG. Die Kanzlei Wüstenberg vertritt keine Privatpersonen, wohl aber Einzelpersonen in ihrer beruflichen Funktion (z.B. Wolfsberater oder Gastwirt).
 
 
Es können Pauschalhonorare vereinbart werden, damit Sie wissen, welcher Betrag auf Sie zukommt. Sobald der Arbeitsaufwand abgeschätzt werden kann, kann ein beiderseits passender Betrag festgelegt werden. Das Pauschalhonorar kann als Einmal-Honorar vereinbart werden (Beispiel: je Behördenverfahren ein Betrag X). Oder aber auch als monatliche Flatrate, d.h. außergerichtliche Beratung und Vertretung inklusive.
 
Für die Kalkulation bietet sich die Berechnung nach dem Tarif gemäß dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) an. Beispielsweise wird ein bestimmter Gegenstandswert als Berechnungsgrundlage vereinbart. Die Vereinbarung von Pauschalhonoraren dient der Transparenz. Es wird für Sie das Risiko vermieden, dass der Anwalt fünf Stunden arbeitet, jedoch zehn Stunden abrechnet.
Aus dem RVG (sofern zugrunde gelegt) ergibt sich für alle Anwälte die folgende Tabelle:

 
Gegenstandswert/Streitwert der Rechtsangelegenheit in €
Tabelle in BGBl. I 2020, S. 3229 ff. (S. 3254)
Ausgangsrechenbetrag (Wertgebühr) ohne USt./MwSt. in € ... ... multipliziert mit 1,3, zzgl. der Auslagenpauschale von € 20,- netto, zzgl. 19 % USt./MwSt., in €
1.000,- 88,- 114,40
6.000,- 390,- 507,00
10.000,- 614,- 798,20
15.000,- 718,- 933,40
50.000,- 1.279,- 1.662,70
100.000,- 1.655,- 2.151,30
250.000,- 2.483,- 3.227,90
500.000,- 3.539,- 4.600,70
1.000.000,- 5.189,- 6.745,70
 
 
Auf diese Tabelle wird insbesondere dann zugegriffen, wenn nicht bloß eine Beratung, sondern eine Vertretung vor Gericht geleistet wird. Das Honorar für eine Vertretung liegt dann beispielsweise bei -- Grundlage Streitwert EUR 15.000,- -- EUR 718,- mal 1,3 = 933,40 plus 20,- Aufwandspauschale = 953,40 plus 19 % USt = EUR 1.134,55 inklusive USt/MwSt.
 
Einen Streitwertkatalog der Zivilgerichte gibt es nicht. In Wettbewerbssachen nach UWG sind Streitwerte von EUR 15.000,-, EUR 25.000,- oder mehr üblich. In Bagatell-Fällen sind es, mit etwas Glück, "nur" EUR 1.000,- oder EUR 5.000,-. Für einen Taxiunternehmer oder einen anderen Kleinbetrieb geht es in aller Regel um einen Wert von mindestens EUR 15.000,-. Bei großen Unternehmen werden der Gerichtskostenbetrag und das Anwaltshonorar nicht selten nach einem sechsstelligen Betrag (z.B. EUR 100.000,- oder EUR 250.000,-) errechnet.
 
Der Streitwertkatalog der Verwaltungsgerichte (Streitwertkatalog 2013, Stand unverändert seit 15.12.2015) steht
hier. Bei Klagen von Naturschutzvereinigungen sind es zumeist EUR 15.000,- (Ziffer 1.2 Streitwertkatalog 2013: EUR 15.000,- bis EUR 30.000,-), bei Klagen von Tierschutzvereinigungen letztlich auch, obwohl das Tierschutzrecht nicht im Katalog steht. Bei Klagen von Unternehmen ist der Streitwert in der Regel höher, z.B. EUR 50.000,- oder mehr. Im Fall von Treibhausgas-Emissionen oder Brennstoff-Emissionen liegt der Streitwert beim Geldbertrag für den Erwerb dieser Zertifikate.
 
Für Bedürftige gilt: Die Untergrenze des Honorars liegt beim Satz der Beratungshilfe bzw. Prozesskostenhilfe (hierzu s.u. unter "Staatshilfe"). Dies gilt auch für bedürftige Unternehmen und Vereine.

 
 
 
Erfolgshonorar ab Oktober 2021:
Nach dem künftigen § 4a Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 RVG darf ein Erfolgshonorar vereinbart werden, wenn "der Auftraggeber im Einzelfall bei verständiger Betrachtung ohne die Vereinbarung eines Erfolgshonorars von der Rechtsverfolgung abgehalten würde." (BT-Drs. 19/27673, BT-Drs. 19/30495BGBl. 2021, S. 3415 ff., in Kraft ab 01.10.2021). Abzustellen ist auf die subjektiven Gründe/Vorstellungen des Mandanten, jedoch begrenzt durch den "normalen" Sachverstand, d.h. die "objektive" verständige Betrachtung des rational denkenden Rechtsanwalts/Richters. Nach meiner Einschätzung kommt die Vorschrift § 4a Abs. 1 S. 1 Nr. 3 RVG zum Tragen, wenn der Mandant zahlreiche Rechtsmittel (z.B. Abmahnungen, Ordnungswidrigkeitsanzeigen, Klagen) auf den Weg bringen möchte, jedoch dies bei Abrechnung nach dem RVG sonst nicht tun würde, weil viel zu teuer. Beispiel: Das Verfassen von 100 Ordnungswidrigkeitsanzeigen würde bei verständiger Stundensatzabrechnung (1.000,- je Anzeige) seitens des Rechtsanwalts 100.000,- Euro kosten. Ein vernünftig überlegender Mandant (z.B. Naturschutzvereinigung oder Tierschutzvereinigung) würde einen solchen Auftrag nicht erteilen. Die Folge wäre: Der Mandant verzichtet auf die Rechtsverfolgung. Wer diese Rechtseinschätzung teilt, wird es bejahen, dass dann für diesen Fall der § 4a RVG geschaffen worden ist mit der Folge, dass Rechtsanwalt und Mandant nun über die Vereinbarung eines Erfolgshonorars nachdenken dürfen. Von den beiden wären zu beachten: der Zeitaufwand, der Kostenaufwand (ohne Anwaltshonorar), die Erfolgsaussichten bezüglich Ob und Höhe des "Erfolgs". Als Erfolgshonorar könnten z.B. vereinbart werden: a) Alles-oder-nichts-Regel, d.h. ein Anwaltshonorar gibt es nur im Obsiegensfall. Oder b) eine monatliche Anwaltshonorarpauschale plus je Erfolgsfall ein Extrahonorar für den Anwalt. [Dies geht/gilt nicht bei wettbewerbsrechtlichen Abmahnschreiben nach dem UWG, es sei denn, der Abgemahnte wird über diese Vergütungsabrede informiert; sonst ggf. Betrug nach § 263 StGB]
 

 
 
Staatshilfe:
a) Es gibt die Rechtsberatung auf Staatskosten mit Eigenanteil: Im Falle Ihrer Bedürftigkeit (ALG II etc.) beantragen Sie zuvor die Beratungshilfe, indem Sie mit dem Schreiben, aus welchem sich Ihr Beratungsanlass ergibt, und dem ausgefüllten Vordruck "Antrag auf Bewilligung von Beratungshilfe" zum Amtsgericht Ihres Unternehmenssitzes bzw. Ihres Wohnsitzes gehen. Die dortige Beratungshilfestelle stellt Ihnen den "Berechtigungsschein für Beratungshilfe durch einen Rechtsanwalt" aus. Für jeden Beratungsfall zahlen Sie dann für die Beratung EUR 15,- Eigenbeteiligung inklusive gesetzlicher Mehrwertsteuer im Voraus. Der Staat zahlt dem Anwalt sodann noch zumeist EUR 102,- zzgl. MwSt., also nicht viel.
 
b) Im Fall der Rechtsvertretung vor Gericht gilt: Die Prozesskostenhilfe-Bewilligung bedeutet nicht, dass Sie das Geld vom Staat geschenkt bekommen. Unter Umständen holt der Staat sich das verauslagte Geld von Ihnen wieder zurück -- nämlich nach z.B. drei Jahren nach Rechtskraft des letztinstanzlichen Urteils. Die Prozesskostenhilfe (PKH) entspricht dann einem zinslosen Darlehen. Sofern Sie Prozesskostenhilfe beantragen wollen, füllen Sie bitte den Vordruck namens "Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse" aus. Zu den Antragsberechtigten zählen alle natürlichen Personen (Menschen, e.K.) sowie die juristischen Personen des privaten Rechts (e.V., KG, oHG, GmbH, Ltd.). Wird die PKH bewilligt und verlieren Sie das Gerichtsverfahren, müssen Sie "nur" die gegnerischen Anwaltskosten zahlen. Das Gerichtsverfahren ist dann insgesamt nicht (!) kostenfrei. Wird die beantragte PKH nicht bewilligt, tragen Sie ohnehin alle Verfahrenskosten selbst -- wie alle anderen Leute auch. Zum Vergleich: die Pkw-Vollkasko-Versicherung. Dort zahlt man für seinen eigenen Schaden immer selbst. Bei der PKW-Bewilligung ist der Schaden das -- selbst verursachte -- Anwaltshonorar der Gegenseite.
 
 
 
Privathilfe:
c) Rechtsschutzversicherung: Die Versicherung erstattet Ihnen die Kosten für die Rechtsberatung und -vertretung nicht in Wettbewerbssachen, Urheberrechtsangelegenheiten, Familienrechts- oder Strafsachen (siehe das Kleingedruckte im Vertrag). Erstattet sie Kosten, dann in aller Regel nur diejenigen nach der RVG-Tabelle. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Versicherung! Wer Unternehmer ist, sollte einen Rechtsschutzvertrag speziell für die für ihn wichtigen Bereiche abschließen und sich die Einbeziehung der gewünschten Rechtsbereiche schriftlich bestätigen lassen.
 
d) Prozessfinanzierung: Sie informieren sich bitte bei den Anbietern. Die meisten wünschen vor dem Einstieg ein Rechtsgutachten.
 
 
 
Negativbeispiele:
...aus der Vergütungspraxis von anderen Anwälten:
 
1. aus dem Bereich Stundensatzvergütung das Beispiel: Sie wollen einen markenrechtlichen Schadensersatzanspruch über EUR 5.000,- geltend machen und gewinnen vor Gericht. Nach dem erfolgreich verlaufenen Gerichtsverfahren erhalten Sie vom Beklagten die EUR 5.000,- Schadensersatz gezahlt (das ist prima) sowie von Ihrem Anwalt die Rechnung nach dem vereinbarten Stundensatz über zig Stunden zu insgesamt EUR 10.000,- ausgestellt (das ist schlecht). Kein Einzelfall...
 
2. aus dem Bereich Abrechnung nach RVG das Beispiel: Ein Angestellter klagt auf Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses und auf Geld (Streitwert EUR 15.000,-). Man einigt sich vor Gericht auf den Betrag EUR 2.500,-. Beide Anwälte können hier die sog. Einigungsgebühr nach RVG ansetzen. Der Anwalt des Angestellten stellt seinem Mandanten, dem Kläger, eine Rechnung aus, welche wegen der Einigungsgebühr bei knapp EUR 3.000,- liegt. Frage: Weshalb hatte der Anwalt des Angestellten überhaupt so viel Geld für seinen Mandanten eingeklagt? Kommt leider vor... Fazit: RVG-Satz-Vereinbarungen ohne Klärung hinsichtlich der Einigungsgebühr nützen Ihnen selten etwas.
 
 
 
Zinsberechnung:

Forderungen werden nicht selten erhoben mit Zinsen in Höhe von "5 Prozent über dem Basiszinssatz ab Rechtshängigkeit". Dann können die Zinsen über z.B. https://www.basiszinssatz.de/zinsrechner errechnet werden. Rechtshängigkeit ist das Datum des Eingangs der Klageschrift bei Gericht.
 
 

 
Offenbach am Main, 15.07.2022